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Wie es dazu kam, daß so viele Leute ausgewandert sind !

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Stellvertretend für alle Ortsteile der heutigen Gemeinde STEMWEDE möchte ich einige Ausführungen wiedergeben, die ich den Veröffentlichungen alter " Heimat-Blaetter für die Grafschaft Diepholz " entnommen habe.

Die einzige vorliegende Angabe aus dem 18. Jahrhundert gibt die Einwohnerzahl in den beiden Amtsbezirken Dielingen und Wehdem im Jahre 1785 mit 4701 Personen an.

Im Jahre 1820 ist die Bevölkerung um rund 1100 Personen angewachsen und auf 5801 angestiegen. In den folgenden 25 Jahren, von 1820 bis 1845, nimmt die Einwohnerzahl um 2406 Personen zu. Mit einer Einwohnerzahl von 8826 Personen im Jahre 1848 wurde der Höhepunkt in den Gemeinden des heutigen Bereiches erreicht.

In den 63 Jahren, zwischen 1785 bis 1848, hat die Bevölkerung um insgesamt 3525 Personen zugenommen, das ist eine Steigerungsrate von 75 %.

Diese Entwicklung ging einher mit einem wachsenden Wohlstand, der durch das Weben von Leinen im Nebenerwerb erzielt wurde.

Etwa 75 % der Bevölkerung waren mit dem Flachsanbau und dem Weben von Leinen beschäftigt, dies waren die neben der Landwirtschaft zusätzlich erzielten Einkünfte für die Mehrzahl der Bevölkerung. Als jedoch in England die ersten mechanischen Webstühle hergestellt und benutzt wurden, kam es sehr schnell zu einer dramatischen Wende. Bedingt durch die maschinelle Anfertigung von Leinen, zuerst in England, später auch in Bielefeld, konnte der bäuerliche Bereich die Anfertigung von Leinen nicht mehr zu den gleichen Konditionen erreichen. Durch die industrielle Fertigung wurde eine schnellere, billigere und auch bessere Produktion erreicht; der Absatz des von Hand gefertigten Leinens ging sehr schnell und stark zurück.

Zusätzlich kamen zum gleichen Zeitpunkt Baumwollprodukte auf den Markt, die noch preiswerter waren. So kam es, daß infolge der geringeren Leinenpreise schnell Armut und Not in der Bevölkerung entstand, da der Absatz stagnierte. Als Folge dieser Entwicklung wurde bereits 1840 in Dielingen die Legge ( Leinenmarkt ) wegen " Bedeutungslosigkeit " aufgehoben.

Auf dem Leinenmarkt wurde die Qualität und das Maß der Ware geprüft und staatlicherseits bestätigt! Wenn auch die Legge in Wehdem noch einige Jahre weiter bestanden hat, so heißt es aus dem Jahre 1847:

Die Legge in Wehdem war nicht sehr frequent, d.h. nicht sehr gut besucht!

Dies wurde dem Bericht " Nachweis der Bevölkerungs-Bewegung in den Ämtern Dielingen und Wehdem " von Lehrer Karl Hamer, Dielingen, den " Diepholzer Heimat-Blaettern " entnommen.

Wie groß die Not zu jener Zeit in diesem Gebiet war, zeigen einige Zahlen aus dem Jahr 1847 :

In Wehdem wurden 67 arme Kinder und 2 alte Witwen für die Zeit von 5 Monaten mittags gespeist. Viele Kinder wurden ganz in Kost untergebracht. In Westrup wurden 6 Monate lang monatlich 7 Reichstaler, 17 Silbergroschen und 9 Pfennig dafür aufgebracht.

In Oppendorf verpflegte man 25 Kinder 4 Monate lang und in Oppenwehe geschah das gleiche für 34 Kinder über 6 Monate. Der preußische Staat unterstützte diese Maßnahme ebenfalls mit 580 Reichstalern!

Aus einer blühenden Heimindustrie mit Flachsanbau, Spinnen und Weben war in kurzer Zeit ein Armenhaus geworden!

Als nun zusätzlich zu diesen schlechten wirtschaftlichen Zeiten noch Mißernten hinzukamen, stieg die Unzufriedenheit der Bewohner sehr. Viele begannen diesen Raum zu verlassen und die AUSWANDERUNG nach Amerika begann, einen immer größeren Umfang in den fünfziger

Jahren des vorigen Jahrhunderts anzunehmen.

Die einzelnen Staaten der USA begannen, mit Werbematerial ihre Staaten vorzustellen und versprachen den einwanderungswilligen Menschen Land. Es wurden Auswanderungsagenturen eröffnet, die den auswanderungswilligen Personen ihre Hilfe anboten, um die entsprechenden Papiere zu bekommen und eine Passage zu buchen. Dies durfte nicht aktiv geschehen, sondern nur auf Anfrage!!

 

Einige Beispiele für die Auswanderungen aus dem alten Amt Wehdem :

1841 : 23 Personen
1842 : 33 Personen
1847 : 3 Familien und 17 Einzelpersonen
1848 : 3 Familien und 45 Einzelpersonen
1856 : 44 Personen
1859 : 96 Personen
1860 : 6 Familien und 40 Einzelpersonen
1864 : 41 Personen

In den achtziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts setzte die Auswanderung zum 2. Mal erneut stark ein. Bedingt durch die geographische Lage des Stemweder Raumes im damaligen Königreich Preußen im Grenzbereich zum Königreich Hannover wanderten sehr viele Personen ohne Konsens aus. Nach einem kurzen Fußmarsch befand man sich im Königreich Hannover und konnte ungehindert seinen Weg zu den Auswandererhaefen in Bremen oder Bremerhaven fortsetzen.

Da in Preußen ein langer Militärdienst zu leisten war, war dies auch ein weiterer hauptsächlicher Grund, auszuwandern. Die Zahl der Auswanderer ohne Entlassungsurkunde war ebenso groß, wenn nicht sogar noch höher, als die mit Konsens ausgewanderten. Die heute zu findenden Auflistungen in den Archiven zeigen jedoch nur im wesentlichen die mit Konsens ausgewanderten Personen auf.

Die militaerdienstpflichtigen jungen Männer sind in den alten Militaerakten zu finden, da viele in Abwesenheit verurteilt worden sind. Die Totalabnahme betrug für den Zeitraum von 1845 bis 1864 rund 500 und von 1865 bis 1885 rund 1100 Personen.

Leider ist es heute sehr schwer oder fast unmöglich, eine halbwegs komplette Auswandererdatei zu erstellen, da die meisten der jungen Frauen nicht aufgelistet worden sind! Dies ist wohl darauf zurückzuführen, daß sie nicht militärdienstpflichtig waren!

Bei manchen der gelisteten Familien wurde zudem nur der " Haushaltsvorstand " genannt!

Dieser Text ist Teil von Programm, der durch Herr Niermann, der eine Datenbank von über 5500 Individuen enthält, die von Stemwede emigrierten, hauptsächlich nach Amerika, geschaffen wurde. Das Programm wurde durch geschrieben und ist käuflich von: 

Wilhelm F. Niermann 
Stemwederberg Str. 84 
32351 Stemwede-Wehdem